siebenjahreeinsamkeit

(ein)sichten aus der schwulen diaspora

Month: July, 2013

manchmal…

… war alles verschwunden.

sogar die worte. und es bleibt eigentümlich still. dann gibt es keinen ausdruck mehr für den schmerz

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was zu fühlen bleibt

dass diese ganze partnersuche (oder auch nicht-suche, denn suchen soll man ja nicht, denn dann kann man gefunden werden aber so einfach ist das dann auch wieder nicht, denn wenn man nicht sein eigenes leben oder schicksal oder sonstwas gestaltet oder schmiedet, bis man heiß ist, dann muss man sich ja auch nicht wundern. das nur am rande), also diese ganze partnersache ist schon wirklich eine schräge kiste.

ich habe inzwischen verstanden, dass online nicht meine realität ist und dass ich besser offline suchen/finden/… sollte, dass es da aber wiederum schwierigkeiten in bezug auf die optionen gibt, besser gesagt: es gibt kaum welche. ziehe ich die partyveranstaltungen ab, wird es extrem übersichtlich. nun denn.

blieben noch so dinge wie arbeit und freizeit jenseits homosexueller basis, will sagen: freizeit, die im “richtigen leben” stattfindet. arbeit ist offensichtlich auch nicht der ort, an dem ich leute kennenlerne, die mich spannend finden oder so. also schon spannend, was inhalte und auseinandersetzungen und das alles angeht. das klappt meistens. aber diese sache, dass da mal ein mann auftaucht, der schwul ist, bleibt in einem äußerst überschaubaren rahmen.

vereine – des deutschen liebstes kind – hingegen werden nach wie vor als große partnerbörsen gehandelt. eigentlich ist das auch naheliegend. wer sich für die tanzkultur südasiens interessiert und den entsprechenden verein besucht, der hat ein thema. ein interesse, etwas gemeinsames. das mag ähnlich sein bei fußball, modellbahn oder einem chor. gemeinsames tun ist verbindend, macht menschen realistisch in der wahrnehmung (man sieht nicht nur den sonnenschein sondern auch den schatten) und so fort. schwierig wird es, wenn die interessen zu spezifisch sind und kein entsprechender verein vorhanden oder aber nicht vereinskompatibel. lesen beispielsweise geht zusammen schwieriger als kanufahren und besagte südasiatische tanzkunst dürfte weit davon entfernt sein, als massenphänomen verstanden zu werden.

meine eigenen erfahrungen in vereinen oder freizeitgruppen sind eher übersichtlich. bereits als kind hatte ich wenig freude an sportvereinen. fußball finde ich anstrengend und außerdem fehlt es mir an meisten stellen einfach an geschick und freude. da die meisten sportvereine über wettbewerb funktionieren, entsteht ein gewisser funktionsdruck. und den habe ich im normalen leben schon genug, in meiner freizeit will ich niemandem etwas beweisen müssen. da will ich atmen und existieren und mich am leben freuen.

und am schluss steht damit wieder die frage des anfangs: wie macht man es? wie geht das? also das finden und kennenlernen anderer schwuler männer jenseits von virtuellen marktplätzen mit überheblichkeitseinschlag? (und kommunikationsproblemen, die ebenfalls im virtuellen wesentlich prägnanter zu tage treten, als in face-to-face-situationen. was ja kein neuer befund ist, sicher aber immer wieder bestätigt). mir ist es bisher kaum gelungen. weder in schwullesbischen zusammenhängen noch in anderen.

als gefühl bleibt – neben einsamkeit – das, fremd zu sein. einen teil des spiels nicht verstanden zu haben. ausgeschlossen und damit natürlich das gefühl zu bekommen, weniger wert zu sein. ich mag diese position nicht. und es fällt mir immer schwerer nicht zu glauben, dass es etwas mit mir zu tun hat.

weil ich es satt habe

ich habe es satt. wirklich. nicht alles. aber vieles.

ich habe es satt, mich unzulänglich, unpassend, hässlich und was auch immer zu fühlen. natürlich liegen diese gefühle nahe. wenn das leben die sache mit dem prinzen, der mal vorbeikommen könnte (wobei ich auch einen kerl, einen anderen menschen oder einfach einen tollen mann nehmen würde. wirklich) nicht geregelt kriegt, dann ist es irgendwann schwierig zu denken, dass man liebenswert, begehrenswert oder was auch immer für andere männer/prinzen/kerle/menschen/… ist. ich kann es nicht. ich kann mich rationalisieren, mir das erklären aber ich kann es nicht fühlen. und da helfen auch keine ratgebersprüche aus dem esoterikfrühstücksfernsehen. sorgedichnichtlebeeinfach und derrichtigewirdschonkommen und aufjedentopfpassteindeckel… vielen dank. nein. ich kanns verstehen, warum menschen so etwas sagen. ich nehme es auch niemandem übel. aber es ist weder besonders wahr noch besonders hilfreich. ehrlich gesagt

natürlich hatte ich auch schon mal einen freund. damals. das ist lange her. es lief auch eher so mittel. was daran liegen könnte, dass er eher einen spiegel gebraucht hat als einen eigenständigen anderen menschen. aber immerhin.

und ich war auch schon verliebt. richtig. so mit schmetterlingen und romantik und dem ganzen drumherum. leider in den falschen. dem war ich nicht sportlich und nicht dünn genug. klar, jetzt kann man sagen: dann war er wohl wirklich nicht der richtige. stimmt. das problem ist nur: wenn es nie wirklich einen richtigen gibt, was tun?

denn auch das habe ich satt. das warten. das suchen. dann wieder das gefühl, dass ich gefunden werden müsste. beides klappt nicht so wahnsinnig gut. letztlich führt es immer wieder an die gleichen punkte: ich bin übrig. und dabei unsichtbar. nicht für alle menschen. das nicht. als besterfreund/großeroderkleinerbruder/zuhörer/ratgeber/gegenüber bin ich klasse. das kann ich. richtig gut sogar. und ich bin das alles auch gern, denn die menschen, für die ich das bin, mag ich. und ich kann zuhören, laut über das leben nachdenken und unterstützen. schon immer. offensichtlich habe ich aber keine qualitäten als liebhaber/partner/affaire. was dazu führt, dass ich zwar wichtig für andere menschen bin, aber in keinem anderen leben eine wirklich exponierte stellung einnehme. und ich habe es satt, dass daran niemand schuld ist. die verantwortung trägt. und dass es deshalb alles auf mich zurückfällt. den natürlich kann ich keinem konkreten menschen vorwerfen, dass er mich nicht spannend findet. oder nicht attraktiv oder was auch immer. sowas kann man ja nicht machen oder herstellen. und da ist die deutung, dass wenn das so selten passiert und ich viele leute kenne, die ganz andere möglichkeiten haben, es an mir liegt

also richte ich den unterstellten blick der anderen männer auf mich. meinen körper. meine wünsche und befindlichkeiten. und sehe natürlich, dass ich wenig normgerecht aussehe, keine klassisch männlichen hobbys pflege und irgendwie in meiner freizeit nicht das tue, was “man wohl so tut”. dass ich zum beispiel diese seltsamen partys langweilig finde. und zu laut. und viel zu jung.

und auch die dynamik von diesen internetportalen habe ich satt. sowohl was die kommunikationsstandards als auch die erwartungen angeht.

was aber nun? was wäre zu tun? ich kann und will mich nicht ins unerkenntliche verbiegen. und ich weiß auch nicht, ob ich immer weiter in diesem “suchen/gefundenwerden”-modus bleiben kann. denn das bedürfnis ist ja da. das nach nähe und geborgenheit genauso wie das nach sex.