siebenjahreeinsamkeit

(ein)sichten aus der schwulen diaspora

Month: April, 2014

für euch, die ihr liebt

eigentlich ein albumtitel von helium vola. und dennoch ein satz, der mich seit tagen beschäftigt.

eigentlich sagt er genau das aus, was sich in meinem leben so abspielt im moment: ich sehe lauter menschen, die lieben. also einen anderen menschen. manche auch mehrere. der frühling scheint die liebenden aufzuwecken. hier und da und dort finden sie sich. man muss sie umrunden, wenn sie ineinander versunken auf dem trottoir vor einem laufen. ihnen zuhören, wenn sie in der regionalbahn einander versichern, wie wichtig und nah sie sich sind. und in den cafés bevölkern sie viele tische.

es ist nicht so, dass ich keine liebe in mir hätte. im gegenteil. ich hab sogar ziemlich viel davon. hat sich ja jetzt auch über die langen jahre angesammelt und reicht bestimmt für eine weile. leider will die nur keiner. ich bin prima, wenn andere davon erzählen, wie schlecht es ihnen geht. und mit mir kann man prima über beziehungsprobleme reden. und manchmal habe ich sogar gute ideen, die in der regel auch funktionieren. ich kenne mich aus mit grenzen, mit wut, mit trauer und abhängigkeit. ich verstehe dynamiken und ich kann sie fühlen. und wenn das problem gelöst ist, dann bin ich eben nicht mehr so wichtig. dritte reihe. bitte gern geschehen.

ich würde schon auch gern. also mal einen treffen, der sich für mich interessiert. also wirklich interessiert. ich finde, ich suche und warte schon ganz schön lang. und ehrlich gesagt, manchmal weiß ich nicht, wie lange ich das noch aushalten kann, immer und immer wieder gespiegelt zu bekommen, uninteressant, hässlich und ungeliebt zu sein.

für euch, die ihr liebt: haltet euch daran fest. aneinander. und an eurer liebe

 

ver-un-sicherung

ich bin eigentlich ein sicherer mensch. ich weiß, dass ich meine arbeit gut mache, dass ich talent für das besitze, was ich tue. und dass ich es gern tue.

und ich bin eigentlich ein unsicherer mensch. es würde mir im traum nicht einfallen, einen anderen mann anzuflirten, dem ich einfach so begegne, und schon gar nicht, wenn er mir gefällt. wenn ich so einen sehe, dann weiß ich sicher, dass er mich nicht interessant/spannend/attraktiv oder gar erotisch finden wird. weil er besser ist als ich. besser aussieht. begehrter ist (gut, das ist in meiner gedankenwelt wohl nicht schwer – da mich ja sowieso niemand begehrt, ist wohl jeder andere mensch begehrter), weniger schwierigkeiten mit diesem ganzen flirt-nähe-ding hat und so weiter.

diese erkenntnis ist eigentlich nicht neu. aber im moment sehr klar. nur: was fange ich damit jetzt an?

du…

…genau. dich meine ich. also wenn es dich gibt. aber eigentlich bin ich mir sicher, dass es dich gibt. wo, das weiß ich nicht so genau. im internet habe ich dich nicht gefunden. bei der letzten homodisco auch nicht. vielleicht sitzt du gerade in der straßenbahn, die ich verpasst habe, weil ich mir nicht sicher war, ob das fenster wirklich zu ist. vielleicht arbeitest du heute in der bibliothek in der ich sonst oft bin, nur heute nicht. oder du trainierst im studio – ich komme heute wohl später. unter umständen bist du auch gerade einkaufen. oder im baumarkt. wer kann das schon wissen.

dabei wird es wirklich höchste zeit, dass wir uns endlich treffen. und das auch mitkriegen. auf uns wartet doch so viel. all die dinge, über die wir reden werden. orte, die wir gemeinsam entdecken können. morgende, an denen wir nebeneinander aufwachen. die stunden, in denen wir aufeinander warten und die einfach nicht vergehen. die küsse im regen. und die in der sonne. die geschichten, die wir zu erzählen haben. das händchenhalten. das kleider-vom-leib-zerren und übereinander herfallen. der streit und die versöhnung.

es wäre wahnsinnig schön, wenn wir und bald finden könnten. wirklich.