siebenjahreeinsamkeit

(ein)sichten aus der schwulen diaspora

Month: June, 2014

an manchen tagen geht mir die kraft aus. die kraft, das leben alleine zu bewältigen. alle meine freund_innen sind mit jemand zusammen. sie alle haben (meistens zumindest) die möglichkeit, sich auf einen anderen menschen zu verlassen. einen, für den sie eine ganz zentrale rolle im leben spielen. ich habe seit vielen jahren keinen menschen mehr, der mir nahe sein möchte. dem ich wichtig bin. bei dem ich auch mal sagen kann: halt mich bitte für zwei minuten, ich habe gerade keine energie mehr. ich brauche jemand, der mir einen moment zur seite steht.

ich weiß natürlich auch, dass ich in solchen phasen keinen potentiellen partner kennenlernen werde. wer will schon einen, der schwach ist? der auch mal müde ist? der nicht den körper hat, den schwule männer scheinbar haben müssen? der vielleicht anstrengend ist? mit dem es auch konflikte geben kann? offensichtlich muss man immer ein supermann sein, um überhaupt in betracht zu kommen. richtiges kennenlernen – das habe ich schon lange nicht mehr erlebt. wenn die sexvorlieben passen, dann gibt es vielleicht mal einen, der sich meldet. aber der will dann sex. reden? naja, hinterher vielleicht kurz.

manchmal frage ich mich, wie ich in diese welt passen soll. scheinbar gibt es dort keinen platz für mich. meine gefühle. meine person. und dann geht mir wirklich irgendwann die kraft aus.

ich leiste viel. auch in meinen freundschaften. ich bin, wenn irgend möglich, da. richte auf. kitte beziehungen. und ich mache das auch gern. aber wenn es dann wieder deutlich wird, dass ich eben nur das bin – ein kitter, ein retter, ein helfer – der aber leider trotzdem nur in der dritten reihe stehen darf, dann frage ich mich, was die menschen eigentlich in mir sehen. einen mülleimer für ihren seelenmüll? und die guten momente sind dann für andere reserviert? einen, der wenn er nicht genau so funktioniert, wie man es gern hätte, einfach wegwerfen kann? einer, für den es sich nicht lohnt, konflikte auszuhalten?

ich würde jetzt einfach gern neben einem mann liegen, mit dem ich emotional so eng verbunden bin, dass er es auch aushalten könnte, dass ich einfach zwei minuten meinen kopf auf seine schulter lege und vielleicht ein bisschen weine. der mich dafür nicht verachtet. der einfach für mich da ist. und dann ginge es auch schon wieder.

dieses jahr werden es neun jahre, dass es so etwas nicht mehr gegeben hat. vorhin erzählte mir einer, dass er es kaum aushalten könne: er wäre schon seit vier monaten (!) single. na dann.

ach…

…. ich würde mich einfach gern mal wieder glücklich verlieben. wirklich. einfach so.