weihnachten

weihnachten ist immer herausfordernd. seit vielen jahren schon. die freund_innen sind alle mit ihren beziehungen unterwegs. ist klar, würde ich an weihnachten auch so machen. und da ich in meinem freundeskreis offensichtlich der einzige ist, der es nicht hinkriegt, geliebt zu werden oder wenigstens jemand zu haben, der irgendeine art von interesse an mir zu haben scheint, bin ich – wie immer – allein. natürlich könnte ich mich mit einem dieser paare verabreden und dann als nummer drei mit-weihnachten. aber gerade dieses mit-dabei-sein, zu sehen, dass man aus einem intimeren raum, den die beiden anderen beiden personen teilen, letztlich ausgeschlossen bleibt (nicht, weil diese leute doof sind. ihnen gilt kein vorwurf. aber als der übrige in so einer konstellation hat man einfach schon systematisch so einen platz), ist auch nicht gerade das, was ich mir so vorstelle.

wenn ich so auf dieses jahr zurückschaue, dann sehe ich ein sehr ambivalentes bild: ich bin erfolgreich im beruf. beliebt bin ich dort auch, wo ich arbeite. mir gelingt viel, ich kann dinge bewegen, menschen interessieren sich für meine arbeit. auch ehrenamtlich ist das so. ich habe da einiges bewegt, wo ich mich engagiere und denke, dass es gut war.

an anderen stellen bin ich grandios gescheitert. alle versuche, einen einigermaßen erträglichen und ansehnlichen körper zu bekommen, sind gescheitert. egal, wie viel sport ich mache, wie ich mich ernähre, wie viel mühe ich mir auch gebe – einen idealen körper werde ich wohl nie bekommen. vielleicht ist das in einem bestimmten alter auch vorbei.

ebenfalls gescheitert sind die meisten versuche, andere schwule männer kennenzulernen. ich habe viel geheucheltes interesse erlebt. viele leute, die sich angeblich wahnsinnig für mich interessieren, die sich dann aber seltsamerweise nicht mehr gemeldet haben. mein versuch, beim schwulen sportverein und im schwulen chor mitzumachen, sind irgendwie gescheitert. (die leute vom sportverein beantworten keinerlei anfragen, spannenderweise sind aber zwei freunde von mir dort mit offenen armen empfangen worden. die sind auch beide wesentlich jünger und dünn und trainiert).

letztlich ist es auch egal. offensichtlich ist es schwierig, es mit mir auszuhalten, auch wenn es nur einmal in der woche für eine stunde ist. erstaunlich insofern, dass es in anderen kontexten, meistens nicht dezidiert schwulen, genau das gegenteil ist.

was ich auch nicht mehr aushalten kann, sind diese dümmlichen “selbstliebe”-floskeln. ich bin vielleicht nicht an allen stellen klar mit mir, aber im großen und ganzen habe ich meine hausaufgaben gemacht. ich weiß, dass ich stärken und schwächen habe. und ich glaube nicht, dass man sich selber megageil oder liebens- und begehrenswert finden kann, wenn einem permanent das gegenteil vermittelt wird. wenn man immer der zweite und nie der erste ist, kann man irgendwann nicht mehr glauben, dass man auch mal der erste sein könnte. ich zumindest kann es nicht. und ich glaube auch nicht, dass menschen vollkommen unberührt von den sozialen reaktionen auf sie leben oder empfinden.

natürlich ist mir klar, dass ich eigene anteile an der situation habe. ich glaube, dass ich mich nicht immer sehr schnell auf neue menschen und situationen einlassen kann. manchmal brauche ich dafür einen moment. ich glaube aber auch, dass man in einer guten partnerschaft über genau so etwas reden könnte. ich erwarte doch auch kein gegenüber, das perfekt ist sondern einen menschen, der seine lebensgeschichte mitbringt. gerade das macht menschen ja überhaupt erst interessant.

ich habe mich vor einigen wochen mit einer freundin darüber unterhalten, wie ich mir wünsche, einen mann kennenzulernen. das gespräch war sehr erhellend. ich erzählte, dass ich mir wünsche, den menschen, in den ich mich verlieben würde und der sich in mich verlieben würde, einfach in meinem leben kennenlernen möchte. da, wo ich arbeite, freizeit verbringe, lebe. und dass das offensichtlich, ob der kompletten digitalisierung des kennenlernens, vermutlich ein sehr exotisches unterfangen wäre. die gute freundin lachte mich liebevoll aus und meinte, dass sie das für ein ganz normales wünschen und auch einen ganz normalen vorgang halte.

letztlich ist das genau mein wunsch: einen menschen kennenzulernen und dann die erfahrung zu machen, dass daraus mehr entsteht, dass sich verliebtsein einstellt und liebe entwickelt.

vermutlich habe ich inzwischen keine chance mehr darauf. wer will schon einen typen, der die endgültige magische grenze von 40 jahren überschritten hat und schon so lange alleine ist? offensichtlich – oder anders gesagt: empirisch – wohl keiner. ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalten kann.

fröhliche weihnachten

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