von der frustration

ich war eben im fitnessstudio. ich bilde mir ja nach wie vor ein, wenn ich viel sport mache und wenig esse, bekomme ich so einen körper, der irgendeinen anderen mann vielleicht wenigstens interessiert. an der stelle bin ich reichlich irrational, weil empirisch gesehen weder die prämisse noch die ableitung in irgendeiner form zu halten sind. mein körper ist eine zumutung, egal, wie sehr ich mich mühe, er bleibt unansehnlich. und offensichtlich könnte ich auch aussehen wie ein supersportler, selbst dann würde  vermutlich kein typ in irgendeiner form bock drauf haben, mich kennenzulernen oder – das wäre der gipfel – anzufassen.

zugegeben, ich bin wirklich neidisch auf männer, die einfach toll aussehen und dann nicht abgelehnt werden. mich frustriert das, an der stelle so deprivilegiert zu sein: nicht jung, nicht dünn, nicht sportlich. und scheinbar zählt ja genau das. ein bekannter sagte mir: das aussehen entscheidet, wer zusammenkommt. so scheint es zu sein. und ich habe keine ahnung mehr, was ich dahingehend noch machen soll.

ich hatte eine anzeige aufgegeben. sehr offen und einfach gehalten. es haben sich wenige gemeldet. mit zwei wurde der kontakt intensiver, wir haben mails geschrieben und es wurde wirklich erfreulich und persönlich. der eine hat dann, von einem tag auf den anderen, den kontakt abgebrochen. auf meine nachfrage bekam ich keine antwort. meine phantasie: es gab vermutlich mal wieder jemand, der einfach besser war. und ich darf dann schön zurück auf den zweiten platz.

der andere kontakt dünnt sich gerade aus. als klar wurde, dass die andere person vor nicht einmal acht wochen von ihrem partner verlassen wurde, mit dem sie 15 jahre zusammen war, bin ich vorsichtig geworden. ich möchte kein lückenbüßer in einer konstellation sein, in der es eigentlich um jemand anderen geht. ich habe das als offen formuliert und seitdem ist auch da irgendwie sense.

natürlich, ich höre es schon: das hat immer was mit einem selbst zu tun. klar, die anderen sind alle ganz dufte, knorke und nur ich vergeige es. wegen zu wenig selbstliebe, zu wenig klarheit usw. gründe findet man immer. komisch nur, dass in meinem umfeld alle jemanden haben. entweder bin ich nicht nur unansehnlich sondern auch derart verkorkst, dass es keiner mit mir aushält. oder die these stimmt nur bedingt. keine ahnung.

manchmal stelle ich mir vor, wie das wäre: jemanden kennenlernen, einfach so. im leben. merken, wie es näher wird. die erste körperliche annäherung. gemeinsame zeit. gemeinsame erlebnisse. verliebt sein. vielleicht liebe. und damit auch: wenigstens ab und zu körperliche nähe. nicht nur sex (aber natürlich auch). sondern auch diese sachen wie umarmt zu werden. gehalten zu werden und zu halten. ich habe mit leuten darüber geredet, die sich dann gar nicht vorstellen konnten, wie es ist, weder sex noch körperliche nähe zu erleben. über jahre. ich hätte mir das auch nie träumen lassen. aber selbst darüber zu schreiben macht es nicht besser. danach umarmt mich auch keiner. fragt auch niemand, wie es mir geht. oder ob ich lust auf kuscheln habe.

und so beginnt ein weiteres jahr wie schon so viele geendet und begonnen haben. wie lange die kraft dafür noch reicht, weiß ich nicht