we are shadows

morgen ist geburtstag. ein jahr, jedes mal eine zäsur, eine erinnerung an das wünschen. zöge ich bilanz, sie fiele ambivalent aus. beruflich wunderbar. auf der ebene von freundschaften passierten im letzten jahr erfreuliche (wieder)begegnungen, dass ich immer noch fasziniert und gleichzeitig ungläubig bin, dass sie einfach da waren und sind.

schaue ich dahin, wo es um liebe, nähe, um sexualität und körperliche geborgenheit geht, sehe ich nicht mehr als ein schwarzes loch. die wenigen dates, die ich hatte, waren desaströs und verletzend. ich gebe mir immer viel mühe, wenn ich mich mit jemandem verabrede, den ich noch nicht kenne – egal, ob zum sex oder zum kaffee. scheinbar bin ich damit eher eine ausnahmeerscheinung. ich traf auf einen menschen, der seit zwei wochen keine dusche benutzt hatte, einen, der so voll drogen war, dass er kaum geradeaus laufen konnte. einmal wurde mir bedeutet, dass “fette typen wie du” gar nicht gehen und einmal stand ich buchstäblich vor einer verschlossenen haustür und durfte nicht rein. wie paradigmatisch dieses bild doch ist. und egal, welche erklärungsmodelle es gibt und ob das jetzt was mit zu tun hat oder nicht: ich merke, wie sehr mich diese gesamtsituation verletzt. und wie wenig ich scheinbar daran ändern kann. denn letztlich ist die botschaft doch jedes mal – auch, wenn ich mit anderen leuten darüber rede: ratlosigkeit und irgendwie müsste ich eben doch was an mir ändern. scheinbar sind die anderen schwulen männer also in weiten teilen ziemlich cool und wenn ich endlich nur passfähig genug bin, dann würde ich auch einen abkriegen. super.

in meiner sozialen umgebung haben alle leute mehr oder weniger regelmäßig sex. viele von den schwulen leuten finden ihn über gayromeo oder artverwandtes. ich erlebe dort: keine resonanz sondern ignoranz. ich werde nicht nur übersehen sondern abgelehnt. und zwar seit jahren. vielleicht ist die schärfe dieser erfahrung nicht mit-teilbar. es ist nicht nur das alleinsein, das nicht-teilen können von erlebten, das am wochenende keine freund haben, weil alle in beziehungen sind. es ist auch ein in hohem ausmaß vorhandener mangel an körperlicher resonanz, der nicht kompensierbar ist. wenn es über so viele jahre nicht gelingt, körperliche nähe zu organisieren, weil man einfach in dauerschleife abgelehnt wird, nicht wahrgenommen, nicht begehrt, nicht für ausreichend attraktiv, interessant und wertvoll befunden wird, dann ist es kein gewinn, sein leben alleine zu meisten. das kann ich im übrigen, das ist nicht der punkt. aber ich habe wirklich keine lust mehr dazu. show me the meaning of being lonely.

vor einigen tagen war ich mit meiner kollegin unterwegs von einem termin nach hause. sie hatte es eilig, mann und kind zu sehen. sie würde am bahnhof abgeholt. mir fiel auf: es würde niemand merken, ob ich samstag, montag oder donnerstag nach hause kommen würde. es würde für keinen menschen einen unterschied machen. mein leben würde in keinem anderen leben einen unterschied machen. erst dann, wenn es um anwesenheit bei der arbeit ginge. dann würde es auffallen. nur: was dagegen tun? die liste meiner versuche ist lang. ich könnte ein instruktives buch darüber schreiben, wie man angeblich einen partner findet. ich habe so ziemlich alle varianten durch. und ich habe viele partnerfindungen erlebt. schön zu erleben, wenn andere das geschenk bekommen, das man selber nicht auspacken darf. und dann ist man erstmal abgeschrieben. verliebt und so, das verstehst du doch. hm, eigentlich nein, aber klar.

und so wird man für die meisten unsichtbar, zumindest so lange, bis jemand anderer zum reden gebraucht wird. dann darf ich wieder mitmachen, werde für einen kurzen moment aus der dritten reihe geholt, trete aus dem schatten. natürlich trifft das nicht auf die engen freunde zu. aber im weiteren umfeld ist es nichts anderes.

und dann bin ich unterwegs in der welt, sehe paare, menschen, die sich zugeneigt sind und manchmal möchte ich einfach weinen, weil es nicht auszuhalten ist. und klar, wer will denn schon einen menschen, der trauer um sich verspüren lässt. mensch, sei doch mal fröhlich! hab dich nicht so! wenn du immer so ernst bist, wird das nie was! lass dich nicht so gehen! jedem geht es mal schlecht! du musst dir schon ein bisschen mühe geben!

und irgendwann logge ich mich wieder irgendwo ein, schaue durch die profile, schreibe leute an und weiß schon, dass kaum jemand antwortet. oder gehe irgendwohin, wo schwule männer sind. und lerne keine kennen, weil keiner lust hat, sich auf mich einzulassen.

als ich mich vor über 13 jahren von meinem letzten freund getrennt habe, hätte ich nie gedacht, dass es so schwierig sein würde. klar. mein bmi ist nicht unter 20. aber der vieler meiner freunde auch nicht. und klar, ich habe eine meinung, einen standpunkt und grenzen. aber ich glaube, das haben alle menschen. oder die meisten. also scheint es etwas anderes zu sein.

letztlich ist es egal. genauso wie die frage, ob ich samstag oder montag oder donnerstag zurückkomme.