wenn ich sex haben möchte, ist das ein schwieriges unterfangen. orte wie schwule saunen und cruising im park entsprechen mir nicht, so dass mir entweder die einschlägigen tanzveranstaltungen oder die diversen onlineplattformen bleiben. ersteres ist, wenn man nicht gerade auf leder und bären steht, für jemand über 25 (und damit meine ich alter und/oder bmi) aussichtslos. man kann sich natürlich bis zum schluss auf so einer party aufhalten und hoffen, dass man als restefick herhalten kann, dazu muss man aber auch viel von der eigenen würde verloren haben. und zeit haben auch.

bei gayromeo und konsorten braucht man vor allem drei sachen: geduld, ausnehmend gute nerven und kaltschnäuzigkeit (es gilt dabei auch wieder die einschränkung mit alter und bmi. ein freund von mir ist 22, blond und schlank und hatte in den letzten drei tagen mehr sexuelle kontakte als ich in den letzten zwei jahren).

grindr ist eigentlich einfach: man muss auf jeden fall mindestens fünf komplettnacktbilder mit pimmel drauf haben, um überhaupt irgendwie als potentieller fuckbuddy interessant zu sein. kennenlernen und reden lieber nicht. auch ist wichtig, dass man neben muskeln (viel) und körperfett (wenig) über eine überdurchschnittliche genitale ausstattung verfügt. natürlich muss man immer bereit sein und alle positionen und spielarten wie aus dem ff beherrschen und toll finden. das sind die mindeststandards, die es zu erfüllen gilt, um überhaupt mitspielen zu dürfen.

gayromeo ist so ähnlich, nur mit ein bisschen mehr drumherum. auch hier gilt es offensichtlich, seine fuckability im vorfeld zu beweisen. dass sex etwas ist, dass zwischen menschen entsteht, in situationen, die mit diesen menschen zu tun haben, scheint entweder eine besonders perverse orientierung zu sein, die neben mir nur sehr wenig menschen spannend finden oder das portal gibt es nicht her. auf jeden fall verbraucht man unglaublich viel zeit, muss sich mit viel unzuverlässigkeit und hierarchischer und schlechter kommunikation auseinandersetzen und es läuft am ende – bei vielen, nehme ich an, nichts.

freunde* von mir sagen mir an der stelle immer gern, dass ich die falsche einstellung habe. ich solle doch entspannt damit umgehen, keinen sex und seit 14 jahren keine bezienung zu haben. andere hätten das auch und denen würde es nicht so schlecht damit gehen, was ja der beweis dafür ist, dass es natürlich nur an meiner einstellung liegt, dass es mir nicht gut geht. da mag was dran sein und ich teile diese haltung für viele andere lebensbereiche. wenn jemand anders statt meiner einen job kriegt, wenn ich nicht die ergebnisse beim sport oder in einem test erziele, dann ist es vielleicht wirklich sinnvoll, an der haltung zu arbeiten. wenn es aber um ein grundbedürfnis – sexualität, körperliche nähe, seelische nähe, zugehörigkeit – geht, dann kriegt das schnell eine problematische perspektive. und es tut mir weh, weil ich in den momenten, in denen ich darüber rede, meistens eher unterstützung brauchen würde und nicht härte. dass so eine perspektive in der regel von menschen eingenommen wird, die selber in einer beziehung sind, die sexuelle kontakte haben, liegt auf der hand.

die frage ist, was zu tun wäre. so habe ich mir mein leben nicht vorgestellt. und so will ich es auch nicht leben. ich will nicht immer allein sein, immer hoffen müssen, dass sich vielleicht mal einer findet, der ausnahmsweise bock auf sex mit mir hat (wie gnädig! danke!). ich möchte auch gern mit jemandem zusammen sein, etwas schaffen, zukunft gestalten und nähe spüren.

aber: wenn es so weiter geht, dann wird es wohl nie passieren.