siebenjahreeinsamkeit

(ein)sichten aus der schwulen diaspora

Month: June, 2017

ja!

es scheint beinah geschafft: bald dürfen auch nicht-heterosexuelle leute heiraten. politisch ein großer erfolg. persönlich hat es mit mir nicht viel zu tun, weil zu mir seit über 14 jahren keiner “ja” gesagt hat. und sich das offenbar auch nicht ändert. manchmal ist es kompliziert, immer solidarisch mit anderen zu sein und am ende doch jedes mal alleine zu bleiben.

zusammenfassung…

… des 48h-versuches, auf gayromeo, grindr und scruff eine sexuelle begegnung zu initiieren. ergebnis: ich wurde gar nicht aktiv angeschrieben. ich habe sehr viele leute angeschrieben, altersmäßig, körpermäßig etc. sehr gemischt. ich hatte wirklich einfach lust auf ein nettes sexdate. ca. 10% der leute, die ich angeschrieben habe, reagierten. ich wurde mehrfach angepöbelt – ich sei fett und widerlich. zwei typen hatten mehr interesse, haben sich dann aber nicht mehr gemeldet. als ich nachfragte hat der eine nicht mehr reagiert, der andere meinte, er habe “was besseres” gefunden.

aber natürlich: es liegt alles nur an mir. an meiner ausstrahlung. dass ich negativ über mich selber denke. was ja überhaupt keinen anlasse hat – mich wollen ja eigentlich alle, ich bin nur zu dumm, das richtig anzustellen. oder was auch immer.

es gibt…

… so viele attraktive, lustige, spannende, schöne, begehrenswerte typen. kein wunder, dass sich keiner für mich interessiert. (und ja, ich weiß, ich habe sowieso kein recht darauf, dass mich jemand liebt. ich hab das inzwischen verstanden)

ich möchte

nicht mehr alleine sein. ich möchte zu zweit sein. zu mehreren sein. verbunden, aufgehoben, geliebt und geborgen sein. warum will das nur nie jemand mit mir sein? was ist so schrecklich an mir? was ist so falsch an mir? was wiegt das schöne und gute an mir offensichtlich so ungemein ins negative auf, dass keiner interesse an mir hat? und welchen sinn hat es dann überhaupt noch?

du bist eben doch allein

ich treffe einige freund*innen. es ist ein schönes treffen. wir unterhalten uns gut und es ist entspannt und fröhlich. irgendwann kommt das gespräch auf beziehungen. alle außer mir leben in einer. ich fühle mich komisch. kann wieder einmal nichts beitragen. höre natürlich zu, bin parteiisch erschüttert oder erfreut. aber einer bestimmten uhrzeit merkbare aufbruchstimmung. ich frage, warum – alle sind noch mit den liebsten verabredet. zum filmschauen. außer mir. ich habe keinen liebsten.

vor ein paar tagen beim sport. ein pärchen ist zusammen da. sie sind emotional  beieinander. unterstützen sich. besprechen wichtiges. trainieren zusammen. freuen sich offensichtlich über die gemeinsame zeit. feuern sich an. wertschätzen sich füreinander. ich merke, dass ich kurz vorm weinen bin. welch ein glück muss das sein, wenn einen ein mensch liebt?

14 jahre sind eine lange zeit. und anstatt dass ich mit einem liebsten gemeinsam etwas schönes mache, sitze ich alleine rum, unterwegs von hier nach da. einige sagen, dass ich das ausstrahle. die einsamkeit. dass das leute abschreckt. wirklich – also wieder alles nur meine schuld? da draußen wartet ein ganzes heer von leuten, die sich für mich interessieren und ich müsste nur ein bisschen an meiner inneren einstellung arbeiten und dann würde es klappen? andere sagen, ich müsse eben lernen, die dinge, die ich gern zu zweit tun würde, alleine zu tun und schön zu finden. kann man sich alleine körperliche nähe geben? wärme, geborgenheit? kann man alleine schöne gemeinsame momente erleben, solche, an die man sich gern wieder erinnert? kann man alleine nicht alleine sein? ich halte das für wenig realistisch.

letztlich scheint es sowieso wenig bedeutung zu haben. ich schreibe meine trauer in ein textfeld. wer sonst sollte sich das noch anhören wollen?