siebenjahreeinsamkeit

(ein)sichten aus der schwulen diaspora

Month: August, 2017

ich möchte

einfach nicht mehr alleine sein. sondern zu zweit. mit allem, was dazu gehört: vertrauen und misstrauen, zeit und stress, kritik und liebe und was weiß ich. ich halte das alleinsein nicht mehr aus. es ist wie eine bremse, die mich vollkommen verzögert. die mir mein leben nimmt. warum muss mir das geschehen? warum gibt es niemand, der sich für mich interessiert? bin ich so schrecklich? wahrscheinlich. ich habe es offensichtlich nicht verdient, geliebt zu werden.

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wie es endet

wenn es so weiter geht, endet es nicht gut. diese woche habe ich gelernt, dass ich ab jetzt blut spenden darf, wenn ich ein jahr keinen sex habe. auf facebook überbieten sich die kommentare in der auseinandersetzung mit der absurdität dieser karrenz-zeit. ich teile das. die regelung ist behämmert und schwulenfeindlich. viele leute wundern sich aber vor allem darüber, wie man es nur aushalten kann, ein jahr keinen sex zu haben. und dass das ja unmöglich wäre. ist es nicht. wenn du nämlich so bist, dass keiner mit dir sex haben will, dann bist du schnell bei so einem zeitraum. ungewollt. nicht gewählt. sondern weil du nicht ausreichend bist, nicht gut genug, weil zu dick/alt/hässlich was weiß ich. wenn du das liest: such dir was aus. ich habe schon so ziemlich alles gehört. was ich schon sehr lange nicht mehr gehört habe: ich will dich kennenlernen. ich habe lust auf dich. ich finde dich heiß. möchtest du mich küssen. oder wie auch immer.

und so wird mein leben, das eigentlich noch nicht mal richtig angefangen hat, eben auch enden: ohne liebe von einem anderen mann. ohne sex mit anderen männern. einfach, weil ich nicht mehr weiß, was ich noch tun soll. noch ausprobieren soll. wie sehr ich mich noch verbiegen soll. weil das, was ich bin, scheint so derart abstoßend zu sein, dass in den letzten monaten niemand auch nur den versuch unternommen hat, mit mir etwas anzufangen. meine versuche waren unzählig. dafür in keinem fall von erfolg gekrönt. man könnte sagen: keuschheit wider willen.

aber wenigstens kann ich dann bald blut spenden. das ist zwar nicht so schön wie körperliche nähe. aber wenigstens kann ich nützlich sein

no one knows…

ich bin schwul. keine neue erkenntnis. wissen die meisten menschen. ich finde das nicht besonders problematisch. denn: ich bin sowieso nur theoretisch schwul. praktisch bin ich ein mensch, der ohne sexualität, ohne körperliche und emotionale nähe zu einem anderen mann lebt. ohne das zu wollen. im gegenteil. aber ich scheine inkompatibel mit den anderen schwulen männern zu sein. zu hässlich sei ich hat mir vor ein paar tagen einer geschrieben. nicht, dass mich das noch besonders verwundern würde. es passiert relativ häufig. im gegensatz zu “ich will dich kennenlernen” oder ” du interessierst mich” – oder gar “ich freue mich, dich zu sehen” oder “ich möchte gern zeit mit dir verbringen”.

ich gehöre offensichtlich nicht dazu. eine schwierige erkenntnis, die folgenreich ist. es ist nur die abwesenheit gelebter sexualität. sondern das geht viel tiefer. es geht dahin, dass meine existenz eine einsame ist und ich offensichtlich, egal, was ich anstelle, daran nichts ändern kann. ich bin scheinbar wirklich das sprichwörtliche quadrat unter lauter kreisen. und das ist eine äußerst schmerzhafte wahrheit, denn sie stellt mich vollkommen und umfangreich in frage. ich bin nicht mal nur zaungast. sondern überflüssig.